US Road Trip Tag 11

Tag 11

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



11. Tag - 08. September 2008

  Heute geht's nach San Francisco...

Heute hat der Housemeister Geburtstag und ist schon früh am Morgen im Internet nach Ausgehmöglichkeiten in San Francisco am suchen. Es ist Montag und sein Jammern wird immer größer, als klar wird, dass die einzigen Housediscos und Clubs, die offen sind die Hauptlocations von San Francisco's Homosexuellen-Szene sind. Wir klopfen dem Housemeister tröstend auf die Schulter, während uns eigentlich ein Stein vom Herzen fällt...zum Glück kein weiterer Disco-Besuch...

Zu einem Drittel deprimiert und zu 2 Dritteln erleichtert geht's anschließend wieder auf die Straße! Vorher checken wir noch mit einer Extraportion Trinkgeld aus, die sich "Murphy's Motel" redlich verdient hat. Absolut vorbildlicher Service, sehr saubere Zimmer, hier stimmte eigentlich fast alles. Nachdem wir uns noch im örtlichen Supermarkt mit Proviant für die Fahrt eingedeckt haben, geht's direkt Richtung Yosemite National Park. Den Mono Lake streichen wir, damit wir nicht erst im Dunkeln in San Francisco ankommen.

  Foto: Der Tenaya-Lake am Tioga Pass...

Unsere heutige knapp 400 Kilometer lange Route (errechnete Fahrtzeit: ca. 5 Stunden) führt uns über den Tioga Pass, mit 3031 Metern Höhe der höchste Pass Kalifornien's, der eigentlich als Minenstraße erbaut wurde. Bei der Planung sollte man beachten, dass der Pass ab Oktober bis in den Mai hinein aufgrund des alpinen Klimas geschlossen ist. Das tangiert uns zum Glück nicht und es geht mehr oder weniger reibungslos über die sich abenteuerlich windende Pass-Straße in die Sierra Nevada hinein.

Nach der obligatorischen Nationalpark-Pass-Kontrolle geht's rein in den 3081 Quadratkilometer großen Yosemite Nationalpark, der sich in erster Linie mit beeindruckenden Gebirgslandschaften ins Gedächtnis einbrennt. Die Aussichten, die sich uns an der Tioga Pass-Straße präsentieren sind allerdings für Alpen-Kenner noch eher unspektakulär. Dennoch finden sich diverse Scenic Points zum Anhalten, am besten gefiel uns der Tenaya Lake, in dem sich die Gebirgskulisse anmutig spiegelt.

Danach folgt eine ewig lange Fahrt über bewaldete Berghänge, in denen es außer unzähligen Kiefern, Tannen und Douglasien wenig zu sehen gibt. Nach ungefähr 2 Stunden Fahrt, zeichnet sich dann endlich das Yosemite Valley am Horizont ab. Die Straße schlängelt sich von nun an in das einst von gewaltigen Gletschern geformte Tal, dass vor allem bei Bergsteigern weltberühmt ist. Der Abstecher in das Tal mit den fünfthöchsten Wasserfällen der Welt (739 Meter) entwickelt sich allerdings zum Reinfall. Die Fahrt wird von unzähligen Baustellen empfindlich verlangsamt, nicht enden wollende Blechkarawanen voller Touristen schlängeln sich unaufhörlich Richtung Tal, auf dem zeitaufwendigen Weg werden wir von mehreren Ampelanlagen noch weiter ausgebremst. Nach fast einer Stunde finden wir bei den Yosemite Falls einen guten Parkplatz und machen uns auf zu den Wasserfällen und schon von weitem ahne ich böses.

  Yosemite Falls (not today...)

Das Naturwunder ist weg! Wenig später stehen wir vor der Felswand und von Wasserfällen gibt es nicht die geringste Spur. Dutzende Japaner wuseln um das ausgetrocknete Flussbett, schauen nervös in ihre Parkkarte, wuseln wieder weiter und finden im Endeffekt auch keinen Wasserfall. In Jahren mit wenig Schneefall macht die imposante Attraktion im Sommer Ferien und lässt knipswütige Japaner, ebenso wie alle anderen naturhungrigen Panoramatouristen mit enttäuschten Gesichtern zurück. Wir schließen uns den Japanern an und nutzen dennoch unsere Kameras, bevor wir wieder in Richtung Auto umkehren. Nachdem wir noch einige Meter durch das weitläufige, auch ohne Wasserfälle enorm beeindruckende Gebirgstal geschlendert sind, geht's endgültig wieder zurück in unseren Dodge Nitro und damit auch wieder in den Stau.

Diesmal geht's zum Glück etwas schneller und nach 30 Minuten sind wir raus aus dem überlaufenen Touristenchaos. Wir halten noch an einigen Yosemite Valley Overlooks an und machen uns anschließend auf Richtung Metallica-City...San Francisco!

Langsam schlängeln sich die Straßen aus der Sierra Nevada heraus, die bewaldeten Berghänge verwandeln sich langsam in leuchtend gelbe Steppenwiesen, in denen vereinzelte Bäume stehen. Da aufgrund der Club-Recherche im Internet keine Zeit mehr für "Need for Speed" war, testet der Housemeister an einer Bergkuppe nochmal das Gaspedal und die Nerven einiger Bauarbeiter. Mit einem Beschleunigungsschub fliegen wir fast an den entsetzten Straßenarbeitern vorbei und setzen polternd hinter der Bergkuppe wieder auf. Der Rocker-Kumpel ist lautstark gegen den rabiaten Fahrstil am protestieren, während der Housemeister alles unter Kontrolle habend die Schuld auf's Tempomat schiebt. Fest steht, dass wir ihm jegliche Fahrerlaubnis für San Francisco entziehen, nicht das der Gute dort noch "Bullitt" spielt.

  Im Yosemite National Park

Wenig später ist jegliche Bergromantik verflogen und wir durchqueren landwirtschaftlich genutztes Flachland, den einzige Unterschied zum Ruhrpott stellen hier die amerikanischen Auto-Monster da, die sich durch endlose, permanent bewässerte Felder der Großstadt entgegen ziehen. Langsam werden die Highways wieder zu Freeways, San Francisco kommt immer näher und wir machen in Oakdale erst mal Mittagspause bei McDonalds, das erste mal übrigens in diesem Urlaub. Als der Rocker-Kumpel bestellt, fordert die mexikanische Bedienung recht undeutlich "3,15 Dollar"....er versteht nicht und sagt "No, Thanks!", worauf die Bedienung erneut das Geld einfordert...."No, Thanks!" ertönt es erneut in einer souveränen Tonlage, die klar macht, dass der Rocker-Kumpel sich keine unnötigen Extras aufschwatzen lassen will. Erst als wir lachend einschreiten, versteht er und ist dann auch bereit zu zahlen.

  Einfach herrlich dieser Ausblick...

Nach dem schnell verzehrten Mittags-Snack geht's mit einem zünftigen Re-Fill bewaffnet wieder auf die Straße. Um nicht noch der Bleifuss-Mentalität des Housemeisters zum Opfer zu fallen, übernehme ich das Steuer und das immer näher kommende San Francisco schreit geradezu nach meinem selbstgebrannten "San Francisco"-Mix. Wir durchqueren gigantische Freeway-Kreuze, cruisen über 6-spurige Highways durch wieder verstärkt hügeliges Land, passieren eine nicht enden wollende Windkraftanlage mitten in der leuchten Steppe, die Autokolonnen glänzen in der kalifornischen Sonnen und aus dem Autoradio säuselt Scott McKenzies Alltime-Classic "If you're going to San Francisco".

Dann fahren wir über eine Bergkuppe (diesmal ohne Sprungeinlage) und die Bay entfaltet sich vor unseren Augen. Riesige Nebelschwaden hängen über Alcatraz, während das gegenüberliegende Oakland in schönstem Sonnenschein glänzt und sich der blaue Himmel im Wasser der Bucht spiegelt. Ein Eyecatcher sondergleichen und ich muss mich auf die Straße konzentrieren. Das bedeutet natürlich auch, dass jemand anderes navigieren muss, in diesem Fall der Housemeister.

Man merke sich an dieser Stelle: Gebe nie einem Housemeister eine Karte in die Hand und ignoriere, wenn er sagt, er habe eine Abkürzung gefunden!

Uns hat niemand solch wertvolle Ratschläge auf den Weg gegeben und wir sind der Abkürzung gefolgt, die - und das hatte der Housemeister nicht bedacht - am "McAffee Coliseum" vorbeiführt, wo heute die Oakland Raiders spielen. Das heißt: exakt 63.026 leere Plätze warten darauf von den Einwohnern der San Francisco Bay besetzt zu werden.....mit anderen Worten: Stau!

Aber egal, die Musik, die gesamte Kulisse, die Autos.....hier in Kalifornien ist selbst Stau schön. Ich trommel auf dem Lenkrad herum, schaue mir die Hochhäuser an, die in Zeitlupe am Freeway vorbeikriechen, beobachte die Autos, die aufgeregten Raiders-Fans, die voller Vorfreude ungeduldig auf ihren Sitzen herumrutschen.

  Windkraftanlage vor San Francisco

Nicht ein einziges mal schweift mein Blick zu Uhr und ehe ich mich versehe, haben wir das Coliseum passiert und alles läuft wieder flüssig. Nächstes Ziel ist die Oakland Bay Bridge, die schon im November 1936 - 6 Monate vor Eröffnung der Golden Gate Bridge - Oakland mit San Francisco verband. Die aufwendige insgesamt über 8 km lange Konstruktion (alle Auffahrten mitgerechnet) aus Hängebrücke und Stahl-Fachwerk-Brücke inklusive der Insel Treasure Island in der Mitte ist eine der wichtigsten Verkehrsadern in der San Francisco Bay. Als beim Loma-Prieta-Erdbeben am 17. Oktober 1989 das Oberdeck (der Verkehr wird auf zwei Ebenen geleitet) auf das Unterdeck krachte, verursachte dies einen Verkehrskollaps sondergleichen. Im April 2007 wurde die Brücke erneut in Mitleidenschaft gezogen, diesmal allerdings durch den Brand eines Tankwagens, bei dem ein 70 Meter langer Auffahrts-Abschnitt auf die darunterliegende Straße viel. Innerhalb von 27 Tagen wurde die Verkehrsader wieder in Stand gesetzt, u.a. weil Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand für Kalifornien ausgerufen hatte, um Bundesmittel für die Reparatur der Brücke zu bekommen.

Die knapp 500m lange Stahl-Fachwerk-Konstruktion, die Oakland mit Treasure Island verbindet, wird bis 2012 durch eine neue 6,3 Milliarden teure Hängebrücke ersetzt werden, weswegen die Brücken-Maut auch im Jahr 2007 auf 4 Dollar hochgesetzt wurde.

Wir wollen nach San Francisco, also bezahlen wir bereitwillig und überqueren das gigantische Bauwerk in andächtiger Stille. Nur die treibenden Rhythmus-Gitarren des Metallica-Instrumental-Klassikers "Orion" untermalen den Moment für die Ewigkeit.

  Auf der Oakland Bay-Bridge...

Wieder ist sie da, die Gänsehaut, links und rechts ziehen die Ami-Karossen an uns vorbei, die Sonne glitzert in der Bay und die Skyline von San Francisco ist zum Greifen nah, während rechts von uns die legendäre Gefängnisinsel Alcatraz gegen eine bedrohlich züngelnde Nebelwand am kämpfen ist. Mittendrin in der pulsierenden Welt, wie selbstverständlich über 6-spurige Freeways gleitend, ein Gefühl, was man nicht in Worte fassen kann.

Die Magie des Moments wird wenig später zerstört, als der Housemeister wieder zur Karte greift. Es folgt eine Irrfahrt durch San Francisco, die sich nach mehrmaligem Im-Kreis-Fahren langsam in geordnetere Bahnen lenkt. Der Housemeister dirigiert uns zu einer (Zitat) "Bochem-Street", die wir nach mehrmaligem Nachfragen als "Buchanan Street" entlarven. Wer "24" guckt, weiß mehr...sag ich da nur ;-)

Wenig später stehen wir dann in der Tiefgarage unseres vorgebuchten Hotels, das "Ramada Inn" an der Lombard Street, eine unscheinbare Fassade, hinter der sich eine seltsame, aber zweckmäßige Konstruktion verbirgt mit Hotelzimmern, die lediglich Fenster zum überdachten Innenhof haben. Nicht unbedingt die gemütlichste Variante, aber die Zimmer sind sauber, verfügen über einen dicken Flachbild-Fernseher und sind ansprechend eingerichtet.

Auf dem herrlich großen TV verfolgen wir erst mal, dass wohl heute noch die Erde in der Bay gebebt hatte. Nachdem der Housemeister dann die ersten Geburtstagsmails gecheckt hat, geht's aber nochmal in das abendliche San Francisco.

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Es ist kühl (15-20°C) und zum ersten Mal in diesem Urlaub brauchen wir eine Jacke. Da das Nahverkehrssystem in San Francisco wesentlich besser funktioniert als in L.A. bzw. überhaupt existiert, fahren wir per Bus von unserem Hotel Richtung Fishermen's Wharf, wo es erstmal am berühmten Pier 39 zum Bay-Ausblick geht. Die Sonne ist gerade im Begriff zu verschwinden, das Wasser glitzert orange, Alcatraz leuchtet in der Bucht, die Seelöwen in der Nähe veranstalten einen Riesenkrach. Wir zeigen Richtung Sausalito: "Da wohnt James Hetfield!", der Housemeister nickt gleichgültig: "Aha."...heute abend verzichten wir auf Diskussionen über musikalische Allgemeinbildung und laden das Geburtstagskind auf eine Pizza in "Fishermen's Pizza" ein, eine recht hochpreisige Pizzeria, aber die anderen Fast-Food-Läden sagen uns nicht so wirklich zu und im Gegensatz zu noch 2005 schmeckt die Kalorienbombe hier überraschend gut.

Anschließend suchen wir noch eine Kneipe, um den Abend bei einem Bier ausklingen zu lassen. Der Touristenmagnet "Fishermen's Wharf" scheint um nicht mal 22h wie ausgestorben, kaum noch Leute auf der Straße, fast alle Cafe's, Kneipen und Restaurants schließen schon, so dass wir im Endeffekt im Hard Rock Cafe landen. Wenn das kein guter Ort für einen Housemeister ist, um Geburtstag zu feiern...

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