US Road Trip Tag 15

Tag 15

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



15. Tag - 12. September 2008

  Foto: The End of the Line...
oder
auch diese Reise geht einmal zu Ende

...und jetzt ist er da. Heute morgen geht jeder Koffer-Pack-Handgriff gleich viel leichter von der Hand, denn ich bin nur noch wenige Minuten vom neuen Metallica-Album entfernt.

Anyway, erst geht's mal in den Frühstücksraum. Nachdem wir uns die Teller vollgeladen haben und unter leichtem Zeitdruck speisen, werden wir von einem jungen Kerl angesprochen, der eigentlich äußerlich das Amerika-Klischee in Person ist. "Seid ihr aus der Trierer Ecke?", fragt er mit klassischem Trierer Akzent und blickt in unsere verdutzten Gesichter. Er meinte, er hätte uns sprechen hören und eben jenen Akzent auch bei uns rausgehört. So klein ist die Welt! Da fliegt man fast 10.000 Kilometer um den Globus, um am Pazifik die Nachbarn zu treffen...naja...mehr oder weniger ;-) Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit ihm, geben ihm noch ein paar Tipps für Frisco und Vegas und wollen dann auschecken. Das funktioniert leider nicht, denn die Rezeption ist nicht besetzt. Ein Schild weist darauf hin, dass man in dem Fall den Schlüssel einfach in einen klapprigen Holzbriefkasten werfen soll. Gesagt, getan! Das Vertrauen der Amis bewundernd schwingen wir uns anschließend in unseren Dodge und machen uns auf Richtung Los Angeles... aber erst Walmart...ob der Housemeister will oder nicht!

  Foto: Die Walt Disney Concert Hall...

Bei Pismo Beach werden wir fündig. Das Wetter macht heute nicht viel her, der Ozean ist mal wieder Wolken-verhangen, aber selten war mir das so egal wie heute. Rein in den Walmart, das weiße Digipack geschnappt und zur Kasse. Die junge Verkäuferin betrachtet die aufwendige CD-Verpackung inklusive ausgestanztem Sargloch begeistert und bekommt sich gar nicht mehr ein ("Oh, that's soooooo cute, soooooooo cool......Wow!"). Nur schwer können wir uns loseisen, aber der Housemeister guckt schon nervös auf die Uhr, so dass wir den neuen Metallica-Fan dann doch alleine an der Walmart-Kasse zurücklassen.

Die paar Meter zum Auto kommen uns vor wie Stunden, Tür auf, einsteigen.....tief durchatmen....Folie aufreißen, CD raus.....in den Player rein. "Macht aber ja leise!" ertönt es von der Rückbank, Dann......ein Herzklopfen, dass immer lauter wird.....cleane Gitarrenmelodien säuseln langsam vor sich hin, dann zerreißen verzerrte E-Gitarren die trügerische Stille, die Snare donnert, das Amaturenbrett vibriert....und das Main-Riff startet und ich bin im siebten Rocker-Amerika-Himmel. Wir donnern mit unserem zweiten Frühstück (eiskalte Cola) über den Freeway und im CD-Player donnert die Rückbesinnung auf die alten Metallica-Tage. Und es fühlt sich gut an!

  Foto: endlich wieder in Los Angeles...

Die Strecke Richtung Los Angeles zieht sich dennoch, zumal wir uns bei Lompoc einmal gehörig verfahren. Ein vom Rocker-Kumpel ausgetüftelte Abkürzung entpuppt sich als vom Militär mit Beton-Blöcken abgesperrte Straße direkt hinter einer unübersichtlichen Kurve, durch die wir auch mal die Vollbrems-Fähigkeiten unseres Dodge Nitros ausgiebig testen können.

Nachdem der Adrenalinspiegel sich am nahgelegenen Surf Beach Railroad Stop, einem unbemannten Bahnhof direkt auf einer Sanddüne, hinter dem die rauhe See unter einer grauen Wolkendecke kocht, wieder gelegt hat, fahren wir die vermeintliche Abkürzung zurück und landen wieder auf dem Freeway 101, der uns wenig später durch ein düsteres Santa Barbara führt. Unser Zeitplanung tut das Anti-Fotostopp-Wetter sehr gut, bei Oxnard ziehen wir den verbleibenden Pacific Coast Highway dem Ventura Freeway vor und bewegen uns durch die fast 25km lange Bonzen-Strandsiedlung Malibu, die selbst bei bei der aktuellen Witterung einen gewissen Reiz versprüht. Gegen 14h kommen wir schließlich in Santa Monica an und die Wolkendecke beginnt sich langsam öffnen.

Der Housemeister zückt sein Handy, wählt die Nummer seiner Kommilitonin und stellt fest, dass er sich die falsche notiert hat. Also der ganze Stress umsonst...

   

Der 310 m hohe US Bank-Tower

Die Aussicht vom Kodak Theater

Das Bonaventure Hotel in LA

Der 310 Meter hohe US Bank-Tower, bekannt aus unzähligen Filmen und Dreh- und Angelpunkt eines geplanten Al-Kaida-Terroranschlags im Jahre 2002...

Das Bonaventure Hotel in Los Angeles: in dessen Aufzügen wurde die einfallsreiche Pferd-Motorrad-Verfolgungsjagd im Schwarzenegger-Kracher "True Lies" gedreht...

Wir beschließen den langsam zu Ende gehenden Tag in Downtown L.A. zu beschließen, wo ich mir die so geliebte Skyline mal aus der Nähe ansehen will. Über den Santa Monica Freeway, den wir mittlerweile in und auswendig kennen, fahren wir den glitzernden Beton- und Glas-Riesen entgegen und nehmen nach einigen gefahrenen Runden die Parkgarage unter dem Pershing Square, die mit pauschalen Parkgebühren von 15,40$ nicht gerade ein Schnäppchen ist.

  Foto: Das Finanzviertel in LA...

Mittlerweile nimmt die langsam untergehende Sonne auch wieder ihre Monopolstellung ein. Ganz ohne Wolken wird die Skyline in ein oranges Licht getaucht, die Blechkarawanen auf den Freeways, die das Finanzzentrum L.A.'s tangieren, glitzern im Abendlicht und wir laufen mal wieder durch die Traumwelt. Die tägliche Gänsehautration wird heute aus dem Filmfreak-Dasein gespeist. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die "Transformers" durch die akkurat geometrischen Straßen poltern, ich schaue am US Bank Tower hinauf und sehe das Raumschiff aus "Independence Day", dann kommt der Militärhubschrauber aus "Password: Swordfish", der mit an seinem Haken hängenden Bus in ein Hochhaus kracht und im nächsten Moment fliegen Ewan McGregor und Scarlett Johannson auf einem futuristischen Schwebe-Bike aus "Die Insel" durch die beeindruckenden Häuserschluchten. Ein unglaubliches Gefühl durch diese überdimensional große Filmkulisse zu laufen.

Einziges Manko ist, dass es nichts mehr zu Essen gibt, weil hier im Finanzviertel alles zum Feierabend seine Pforten schließt. Kurz vor Sonnenuntergang ist Downtown Los Angeles wie ausgestorben. Da ich schon mehrfach im Reiseführer gelesen habe, dass die Ecke abends nicht unbedingt empfehlenswert ist, machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Der Housemeister ist aufgrund seines Telefonnummer-Fehlers leicht pissed off und will uns mit der Karte in der Hand über eine Abkürzung zu unserem vorgebuchten Hotel in Airport-Nähe lotsen.

  Santa Monica Fwy im Sonnenuntergang

Da wir in San Francisco aber so unsere Erfahrungen mit den Navigations-Fähigkeiten unseres Mitreisenden gemacht haben, lehne ich mit den Worten: "Nope, ich finde das ohne Karte!" ab, was die Stimmung auf der Rückbank nicht so richtig hebt, aber im Endeffekt prima funktioniert. Santa Monica Freeway, dann auf den San Diego Freeway und schon ist man beim Best Western am Airport, dass am Rande von Inglewood liegt, einem Stadtviertel, von dessen Besuch einem als Weißer in diversen Stadtführern recht deutlich abgeraten wird.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, suchen wir noch ein McDonalds...ein paar Blöcke weiter werden wir fündig, essen unsere Fritten allerdings wesentlich schneller als sonst, denn das Publikum hier ist uns nicht so ganz geheuer. Wir sind die einzigen Weißen weit und breit und werden ziemlich misstrauisch von allen Seiten beobachtet, Hier wird uns zum ersten mal in diesem Urlaub nochmal wirklich bewusst, dass dieses wunderschöne Land doch noch einige große Probleme hat....wobei ja nur sehr wenige Länder die Integration von Minderheiten wirklich erfolgreich bewältigen, in Deutschland entwickeln sich ja mittlerweile die selben Ghettos wie hier in Los Angeles.

Nachdem wir uns möglichst unauffällig aus dem Fastfood-Tempel zurückgezogen haben, geht's zurück ins Hotel, was einen ganz ordentlichen Eindruck macht und nicht unmittelbar in der Einflugsschneise des LAX liegt. Wenn man auf dem Hotelparkplatz steht, hört und sieht man die Flugzeuge starten und landen, im Zimmer selbst bleibt man von Fluglärm verschont. Wir beenden den durchwachsenen Tag mit Fernsehen, Internet und ich mit der neuen "Metallica"-Scheibe auf dem MP3-Player......endlich so laut wie ich will!

Tag 14 - - Reiseroute - - Tag 16



Wenn Dir meine Reiseberichte gefällt, Du Mitglied bei Facebook bist und Du sie Deinen Freunden weiterempfehlen möchtest, dann kannst Du das hier gerne tun.
Vielen Dank dafür!

Wegweiser

mehr dazu