US Road Trip Tag 10

Tag 10

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



10. Tag - 07. September 2008

  Aussicht vom "Zion Overlook" am Hwy 14

Und wieder bricht ein neuer Tag an, heute erblicken wir beim Aufwachen eine vergilbte Zimmerdecke. Das Duschen im heruntergekommenen "Marianna Inn"-Bad ist ein mäßiger Start in den Tag, aber selbiger ist ja noch jung. Trinkgeld gibt's angesichts dieser vergammelten Absteige zum ersten Mal keins, bereits vor 8.00h sitzen wir - wie immer ohne Frühstück - im Auto und fahren auf dem Highway 89 Richtung Süden, um wenig später nach Westen auf den Highway 14 abzubiegen.

Der Grund für den frühen Start in den Tag ist unsere Rekord-Fahretappe von 780 Kilometern mit einer vom Routenplaner auf knapp 13 Stunden geschätzten Fahrtzeit. Gewaltig! ...und der Abschnitt unserer Tour, der bei mir die größten Bedenken auslöste. Doch die Strecke führt mitten durch die Wüste von Nevada, wo es an für sich außer Sand und scharfkantigen Bergketten gar nichts zu sehen gibt, von daher sollte es klappen, wenn wir uns einigermaßen beeilen.

  Aussicht vom "Zion Overlook" am Hwy 14

Die Aussicht vom "Zion Overlook" am Highway 14; im Zoom sind die gewaltigen Felsformationen des "Zion National Parks" deutlich sichtbar...

Lediglich auf dem Highway 14 gibt es einige reizvolle Overlook-Ausfahrten, die dem Panorama-Touristen unter anderem einen äußerst sehenswerten Blick bis hin zum Zion National Park eröffnen.

Weiter geht's anschließend nach Cedar City, wo wir im örtlichen Wal Mart vor dem Trip in die Wüste nochmal unsere Kühlbox aufladen und uns Frühstück in Form von ein paar Donuts besorgen.

Und dann geht's los auf die endlosen Highways von Nevada, ein Mix aus AC/DC, Metallica und CCR sorgt für die passende Musikuntermalung, das Tempomat wird auf die erlaubten 75 mp/h eingestellt und der Cruising-Tag kann beginnen.

  Extraterrestrial Highway / Area 51

Und schon am morgen fällt einmal mehr auf, wie entspannt und relaxt das Autofahren in Amerika vonstatten geht. Gerade in Nevada, einer der einsamsten Bundesstaaten der USA, kommt einem abseits der großen Freeways alle 30 Minuten mal ein Auto entgegen. Ansonsten ist man komplett auf sich allein gestellt, der Mann mit der Maschine mitten in der Wildnis und wieder fühlt es sich an, als ob der Mann aus der Marlboro-Werbung mitfährt...die Freiheit scheint allgegenwärtig und lässt sich doch nicht greifen, fotografieren oder filmen...das Gefühl muss man einfach selbst erlebt haben, sonst versteht man's nicht wirklich.

Die Route, die ich aus Zeitspargründen wirklich über die verlassensten Highways des ganzen Staates gelegt habe, führt unter anderem über den Extraterrestrial Highway, der so heißt, weil er in unmittelbarer Nähe einer geheimen Militärbasis verläuft, der Area 51. Ja, die gibt es wirklich und eigentlich ist es eine ganz gewöhnliche Militärbasis, die nach einer alten Gebietseinteilung auf einer Karte benannt ist. Grund für die zahlreichen Spekulationen und Verschwörungstheorien ist eine zusätzlich gesicherte Militäranlage in der Militäranlage, deren Existenz lange von der US-Regierung bestritten wurde. Mittlerweile hat selbige bestätigt, dass es auf der Basis teilweise besondere Aktivitäten gegeben hat, Details dazu seien allerdings Verschlusssache.

  Bei den Aliens nahe der Area 51

Zitat von Departement of the Air Force Some specific activities and operations conductet on the Nellis Range, both past and present, remain classified and cannot be discussed publicly.

Mittlerweile gibt die Air Force an, in der Area 51 neue, experimentelle Flugzeuge zu testen... Ob hier in der Nähe, wie in "Independence Day" vermutet, Ufos und Aliens in Bunkerkomplexen tief unter der Erde lagern, können wir jedenfalls nicht klären, für derartige Untersuchungen reicht unsere Zeit einfach nicht ;-)

Auf jeden Fall hat das Gebiet eine ungeheure Anziehungskraft, was durch eine Gaststätte mitten im Nirgendwo, das "Little Ale'inn" mit allerlei skurilen Bildern, Fotos und Fundstücken den Mythos noch weiter forciert. Nicht weit von hier befindet sich auch ein US-Testgelände für Atombomben. in dem in den letzten 57 Jahren 119 oberirdische und 1000 unterirdische Kernwaffentests durchgeführt wurden. Das ganze ist selbstverständlich strengstes Sperrgebiet (insgesamt 3500 km²) und wird mittlerweile nur noch vereinzelt für Tests an Höhenforschungsraketen genutzt. Dennoch verstärkt das alles noch die unwirkliche Atmosphäre dieses Ortes.

  Beim Test der XX-34 BADGER-Atombombe am 18. April 1953 auf der "Nevada Test Site"

Die Explosion der XX-34 BADGER-Atombombe am 18. April 1953 auf der "Nevada Test Site" Die Straßen führen hier unendlich lange geradeaus, unser per Kilometerzähler ermittelter Rekord liegt bei 30 Meilen durch ein gigantisches Wüstental ohne auch nur die geringste Biegung im Straßenverlauf. Orte begegnen uns auf der menschenleeren Strecke so gut wie gar nicht, als Tonopah am Horizont erscheint, halten wir erst mal bei der erstbesten Tankstelle an, um den bedrohlichen Linksdrang unser Tanknadel zu bekämpfen.

Von nun an wird's grüner und wenig später passieren wir die Staatsgrenze von Kalifornien. Die Landschaft wandelt sich von weitläufigen Wüstentälern zu Vorgebirgsatmosphäre. Am Horizont türmt sich die Sierra Nevada auf und aus staubtrockenen Salzseen Nevadas werden saftig grüne Wiesen.

  Back in California......

Wenig später zeichnet sich dann auch schon hinter einer dicht bewaldeten Bergkuppe der leuchtend blaue Mono Lake ab. Wir haben uns für heute in "Murphy's Motel" eingebucht, ein sehr nettes, kleines Motel am Ortsende. Die Besitzerin entschuldigt sich beim Einchecken mehrfach bei uns, dass sie kein Zimmer mit 2 Queenbetten mehr frei hat (wie eigentlich von uns gebucht) und gibt uns stattdessen die Suite (wenn man das in einem Motel so nennen kann) mit 3 großen Einzelbetten und noch einen ordentlichen Rabatt. Das ist uns natürlich noch lieber als die eigentlich gebuchte Variante, so hat jeder nochmal 'ne Koje für sich allein.

Das sehr empfehlenswerte "Murphy's Motel" in Lee Vining am Mono Lake... Da es aber gerade erst 18h ist (die Fahrtzeit betrug seltsamerweise nur etwa 11 Stunden; von 8 Uhr Utah-Zeit bis 18h Kalifornien-Zeit), sind die Betten erstmal noch kein Thema und wir laufen erstmal ein wenig durch's schmucke Städtchen, bevor wir im "Nicely's Restaurant" unser Abendessen zu uns nehmen. Ein sehr nettes Restaurant, in dem ich schon 2005 mit meiner Familie zu Abend aß. Sehr vielseitige Karte, sehr ordentliche Qualität und nicht zu teuer!

  Murphy's Motel in Lee Vining/Mono Lake

"Nicely's Restaurant" und die Hauptstraße von Lee Vining... Als sich die Sonne anschließend dem Horizont zuneigt, will der Housemeister zurück ins Motel, um einige Angelegenheiten im Internet zu regeln, während wir noch kurz an den See wollen. Folglich trennen wir uns und ich mache mich mit dem Rocker-Kumpel auf die Suche nach einer Zufahrtsstraße zu dem 150 km² großen Salzsee, der 1994 kurz vor der Austrocknung stand, weil der nimmersatte Siedlungskoloss Los Angeles seit den späten 20er Jahren Wasser aus dem Mono Lake über ein Aquäduktsystem zieht. Mittlerweile hat sich die Lage dank zahlreicher Prozesse von Umweltaktivisten wieder erholt und aus dem Tiefststand von 15m sind wieder über 40 Meter geworden.

Wir finden dennoch auf die Schnelle keinen Weg und versuchen es angesichts des unaufhaltsamen Countdowns der Sonne noch auf der anderen Ortsseite, wo das Visitor Center des "Mono Basin National Forest" größeren Erfolg verspricht. Zahlreiche Spaziergänger laufen auf einem sandigen Weg Richtung See, dem wir natürlich optimistisch folgen.....wenig später sind keine Spaziergänger mehr zu sehen und ehe wir uns versehen, hat sich unser Midsize-SUV in einer tiefen Sandgrube des Weges festgefahren. Na toll, das wäre uns mit 'nem Hummer nicht passiert. Aber die Guys wollten ja Sprit sparen...;-)

  Foto: Nicely's Restaurant in Lee Vining

Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, aber momentan haben wir eh andere Sorgen...ich hab natürlich mitten in der Pampa keinen Handy-Empfang um den Housemeister zum Ort des Geschehens zu rufen, daher versuchen wir noch mal selbst uns aus der misslichen Lage zu befreien.
Der Rocker-Kumpel schiebt und schiebt, ich geb Gas... vorwärts... rückwärts... vorwärts... und plötzlich tut sich was und mit einem Riesensatz rumpelt der Dodge Nitro aus dem sandigen Gefängnis heraus und deckt den Schieber per Hinterrad mit einer dicken Sand-Schicht ein. Anyway, gerade nochmal gut gegangen...der Mono Lake liegt mittlerweile im Dunkeln und wir stellen die Suche ein und fahren nach dem Abenteuer zurück ins Motel, wo der Housemeister seelenruhig Aktienkurse am checken ist und dabei eine Cola schlürft.

Was gucken Housemeister am liebsten im Fernsehen? Richtig! "Dr. House"! Der kommt zufällig gerade, so dass ich mir den freien Platz am Laptop kralle und zum ersten mal auf Youtube alle Tracks des neuen "Metallica"-Albums antesten kann.......ein großer Moment, mein Herz bebt, als ich die ersten neuen "Metallica"-Riffs höre und mit einem zufriedenen Grinsen schlafe ich wenig später ein und kann mir schon denken, wovon ich heute träumen werde: Aliens, Sandgruben und Metallica...

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