US Road Trip Tag 7

Tag 7

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



7. Tag - 04. September 2008

  Foto: Unser SUV Dodge Nitro "schwarz"...

Allrighty, heute werden wir noch weiter in die pure Wildnis vorstoßen. Nach der üblichen Duschprozedur gibt's erstmal Frühstück, welches allerdings von einem Feueralarm gestört wird. Irgendeine Pfeife hat einen Toast im Toaster vergessen und der entstehende Qualm hat innerhalb von einer knappen Minute alle Feuermelder im Umkreis aktiviert. Die Motel-Angehörigen hetzen durch den Frühstückssaal, reißen Fenster auf, klettern auf Tische, um an die Feuermelder zu kommen...

Mit anderen Worten: Der Tag beginnt mit einem richtig entspannten Frühstück. Nach der Hektik checken wir schnell aus und ich reserviere mir den Platz hinter'm Steuer....das heißt: keine Karte! Ich bin zuversichtlich die Strecke noch von 2005 gut genug im Kopf zu haben. Heutiges Ziel ist Page mit einem ausführlichen Zwischenstopp am Grand Canyon North Rim.

  Foto: Auf dem Weg zum Grand Canyon...

Da wir die Nerven des Housemeisters am gestrigen Tage mit einer Metallica-CD etwas überstrapaziert haben, läuft heute irgendein zahmer Country-Sender im Radio, der aber zur Szenerie, welche an uns vorbeizieht, passt wie die Faust auf's Auge.

Auf dem Weg Richtung North Rim passieren wir eine gewaltige Ebene, die wenig später vom Kaibab National Forest begrenzt wird. Auf der Anhöhe, wo selbiger beginnt, befindet sich auch ein sagenhaft schöner Aussichtspunkt. Fotos - das haben wir mittlerweile gelernt - bringen die gigantische Aussicht natürlich nicht mal ansatzweise rüber. Die Weitsicht beträgt hier weit über 50 km und die eigenen Augen verlieren sich in nicht greifbaren Dimensionen.

  Foto: Fußweg zum Grand Canyon...

Nun folgt eine Fahrt durch eine Landschaft, die man genauso in der Eifel finden könnte. Dichte Wälder, üppige Wiesen, schlängelnde Straßen...eine abwechslungsreiches Heimats-Deja-Vu, welches bedeutend mehr Fahrtzeit in Beschlag nimmt, als es die Karte bei der Planung vermuten ließ.

Nach ungefähr 1,5 Stunden Fahrt sind wir schließlich am Parkplatz des North Rims angekommen. Wir packen Fotoapperate und Kamerausrüstung ein, wenn gleich der Rocker-Kumpel schon am seufzen ist, da er sich zumindest ansatzweise vorstellen kann, was hier wieder an unmöglich einzufangenden Panoramen auf ihn zukommt. Auto abschließen und los Richtung Canyon. Ein kleiner Aussichtspunkt am Parkplatz hat nur einen "kleinen" Nebenarm des Naturwunders zu bieten, lässt aber dennoch schon die Unterkiefer meiner Mitreisenden Richtung Boden sausen. Beide wollen schon ihre Fotoapperate zücken..."Noch nicht!" sage ich grinsend und gehe Richtung Lodge. Ich passiere die urigen Blockhütten und bin gerade dabei das neue Metallica-Lied "Cyanide" zu summen, als mir ein gewaltiger Gänsehautschauer nach dem anderen über den Rücken zieht.

  Foto: Die größte Schlucht der Erde...

Vor mir breitet sich die größte Schlucht der Erde aus und angesichts der schieren Größe fehlt einem erneut fast die Luft zu atmen, zu groß, zu weit, zu beeindruckend ist alles, was wir in diesem Moment sehen. Keiner kommt auch nur auf den Gedanken, die Kamera zu zücken. Für ein paar Minuten stehen wir wie angewurzelt am Canyon-Rand und lassen uns einfach nur von der umwerfenden Größe berieseln, von der betäubenden Schönheit, die die Natur hier ohne Rücksicht auf Verluste auf den Menschen loslässt, wie er so klein und vollkommen unbedeutend vor diesem Riesenloch steht. So alt (5-6 Millionen Jahre) und so groß (450 km lang, bis zu 30km breit und fast 2km tief), dass einem hier die Lebensweisheit fast ins Gesicht schlägt. Er ist noch da, wenn wir alle schon lange weg sind...wir sind nicht mehr, als eines der zahlreichen Sandkörner, die die Szenerie in ein leuchtendes Rot tauchen.

  Foto: Die Ausicht am Bright Angel Point...

Nachdem die ersten Klöße im Hals runtergeschluckt sind und die Lungen wieder einwandfrei funktionieren, laufen wir zum Bright Angel Point. Ein Aussichtspunkt, dessen Zugangsweg wieder ein Fest für jeden Höhenangstler ist. Die paar hundert Meter die es senkrecht neben dem immerhin geteerten Weg runtergeht, sind kein wirklicher Grund um in Amerika Schutzgeländer zu installieren. Sollen sich die paar verwöhnten Panorama-Touristen, die sich hier an den weit ruhigeren North Rim verirren, halt in die Hosen machen...

Meine Hose bleibt trocken und aber ich stakse wohl doch sichtbar verkrampft an den immensen Abgründen vorbei, schaffe es aber doch zum angepeilten Aussichtspunkt...der ist sogar mit Geländern versehen...Respekt! ;-)

  Foto: Die Aussicht ist einfach nur...

Die Aussicht.....eigentlich nicht so unterschiedlich von der vorherigen und doch sitzen wir wieder gute 10 Minuten mit offenen Mündern vor der unglaublichen Kulisse. Die Weitsicht geht hier weit über den gegenüberliegenden Rand hinaus. Ein Berg am Horizont ist laut Informationstafel über 100 km weit entfernt und man kann ihn von hier trotzdem scharf und deutlich erkennen. Das sind Dimensionen, die man sich als Europäer nicht mal ansatzweise vorstellen kann... Langsam werden wir unruhig, es wird Zeit die Kameras auszupacken und doch irgendwie zu versuchen, diesen Gigantismus zumindest ansatzweise auf's Bild zu kriegen .

Nach getaner Arbeit gehen wir erst mal Richtung Lodge, um uns mit einem kleinen Mittagessen zu stärken. Das Nobelrestaurant lassen wir links liegen und visieren stattdessen die Imbissbude an, wo wir prompt von einer überfreundlichen Bedienung auf unsere Herkunft angesprochen werden. Sie präsentiert uns stolz ihre Deutsch-Kentnisse von der Highschool, fragt uns nach unserer Reise, unseren Hobbies...als wir kurz darauf mit unserem Mittagessen beschäftigt sind, fragen wir uns, ob wir je schonmal in einer deutschen Imbissbude derart nett bedient worden sind.....natürlich eine rethorische Frage...

  Foto: Die Grand Canyon North Rim Lodge

Nach dem annehmbaren Imbiss setzen wir uns mit Re-Fill auf die Terasse der Lodge und lassen die Aussicht nochmal ausführlich auf uns wirken. Hinter uns hält gerade ein Ranger einen äußerst interessanten Vortrag über den Kalifornien-Kondor, eine Geierart, die 1987 komplett ausgerottet war. Diversen Tierschützen war es in den Jahren zuvor nur selten gelungen die Tiere einzufangen, damit sie sich in Gefangenschaft ungestört vermehren konnten. Grund dafür war das äußerst schwache Herz der Vögel, die beim Prozess des Einfangens in den meisten Fällen Herzinfarkte erlitten. 1987 hatte man dann doch einige Exemplare in Gefangenschaft und begann, der Vogelart wieder auf die Sprünge zu helfen. Mittlerweile fliegen wieder 127 dieser bis zu 3 Metern (Spannweite) großen Vögel über dem amerikanischen Südwesten. Mit ein bisschen Glück kann man die majestätischen Tiere auch am Grand Canyon beobachten, wir hatten diesbezüglich aber leider Pech...

  Foto: Auf zum Bright Angel Point...

Als nächstes folgen wir dem Rim-Trail Richtung Osten, ein älteres Ehepaar kommt von einem seitlichen Wanderweg auf unseren und fragt uns "Where do you guys come from?"......"From Germany!" posaunt der Housemeister heraus und bemerkt erst am Lachen der beiden Rentner, dass es hier mal ausnahmsweise nicht um unser Herkunftsland, sondern um unseren Wanderweg ging. Selbiger führt weitgehenst durch bewaldetes Gebiet, bietet hier und da aber mehrere neue imposante Blicke auf diverse Seitenschluchten. Auf dem Weg treffen wir 2 junge Amerikanerinnen, die mit einem seltsamen Kerl einen Road Trip von Nashville nach Las Vegas machen. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit den Mädels, eine der beiden hatte Deutsch auf der Highschool und dreimal dürft ihr raten, worum sich die nächsten 5 Gesprächs-Minuten wieder drehen. Ein wenig später trennen sich unsere Wege...zu schade, dass die in die entgegengesetzte Richtung weiterfahren...

  Foto: Auf dem Rim-Trail Richtung Osten...

Wir machen Rast an einem schön gelegenen Aussichtspunkt und drehen dann wieder um. Das Rentnerpaar begegnet uns wieder..."You're going back again?"..."Yeah...back to Germany!" antworten wir mit einem Grinsen und haben die Lacher der Beiden ein weiteres mal auf unserer Seite. Nach einem Abstecher zum Souvenir-Laden setzen wir uns ins Auto und machen uns auf den Weg zum Cape Royal, einem weiteren Aussichtspunkt, der aber gut 45 Minuten Fahrt in Anspruch nimmt, natürlich mit vielen weiteren Overlooks (u.a. der sehr schöne Roosevelt-Point, gewidmet dem US-Präsidenten Theodore Roosevelt, welcher den Grand Canyon im Jahre 1908 zum National Monument erklärte) verteilt über die Strecke....einer spektakulärer als der andere.

Von hier aus blickt man Richtung Osten anstatt Richtung Süden und kann bei optimalen Sichtverhältnissen wohl sogar bis zum Monument Valley in Utah sehen...das erzählte mir zumindest 2005 eine Amerikanerin...ob's stimmt, weiß ich nicht. Ich hab mit der Videokamera und höchstem Zoom den gesamten Horizont abgesucht und kein Monument Valley gefunden....naja, dann seh ich's halt erst morgen, auch gut...

  Der Blick in Richtung Monument Valley ...

Anyway, der Abstecher zum Cape Royal ist bei entsprechender Zeitplanung jede Minute wert, bietet er doch jede Menge neue fantastische Aussichten von einer ganzen anderen Seite auf den Grand Canyon mit einem Weitblick, der in seinen Ausmaßen schon fast Las Vegas in Sachen Reizüberflutung schlägt.

Vom North Rim eher selten zu sehen, am Cape Royal zeigt er sich dann aber doch: Der Colorado River Da der Sonnenuntergang sich schon langsam ankündigt, schwingen wir uns zurück in den Dodge Nitro und fahren nochmal zur North Rim Lodge, um die perfekte Sicht auf die Schlucht zu haben, wenn der Feuerball sich mit einem furiosen Farbschauspiel verabschiedet. Die Uhr tickt und wir merken, dass wir schon etwas spät an sind. Das Gas-Pedal wird auf den nicht ganz harmlosen Serpentinen mal etwas kräftiger durchgetreten, um das Naturschauspiel noch rechtzeitig miterleben zu können. Zum Glück lag kein Park-Ranger mit Laserpistole im Straßengraben...das wäre teuer geworden ...

  Sonnenuntergang am Grand Canyon...

Wir kommen noch rechtzeitig an und mit Stativ unter dem Arm suchen wir uns ein ungestörtes Plätzchen am Canyonrand. Wenig später haben wir eine ordentliche Position eingenommen und wir halten in Bild und Video ausführlichst fest, was sich vor uns abspielt. Immer wieder ein absolutes Erlebnis. Als die Sonne im Westen verschwunden ist, sitzen wir immer noch minutenlang da und versuchen noch immer diesen gigantischen Anblick zu verarbeiten. Kann einem das überhaupt gelingen?

Schließlich werden die Sachen gepackt und es geht zurück Richtung Auto.....wobei...noch einmal auf der Lodge-Terrasse verabschieden......wieder ein paar Minuten....mittlerweile stehen dann doch um die 50 Mann hier und alle haben die selben glasigen Augen. Dem ein oder anderen kullert sogar eine Träne die Wangen hinunter...ich bin auch kurz davor und der Kloß im Hals ist dicker als je zuvor...ein absolut gigantisches Erlebnis, soviel Gänsehaut wie heute hab ich normalerweise nur beim "Herrn der Ringe".....doch es nützt alles nix, noch einmal der Riesenschlucht gewunken und dann doch zurück zum Auto.

  Foto: Am Theodor Roosevelt-Point...

Die anschließende Fahrt nach Page ist viiiiiel länger, als ich mir das vorgestellt hatte. Unser Plan, gegen 20h im Super 8 Motel einzuchecken, geht nicht mal ansatzweise auf, zumal ein Drittel der Strecke durch extremen Wildwechsel nur mit angezogener Handbremse gefahren werden kann. Jetzt in der Dämmerung kreuzen bei uns insgesamt knapp 20 Rehe/Hirsche die Straße, teilweise in haarsträubend kleiner Entfernung zum Auto. Die Fahrt über den Highway 89 Richtung Osten zieht sich ins Bodenlose und zahlreiche Overlook-Schilder am Straßenrand zeigen, was sich hier wohl am Tage noch an gewaltigen Aussichten bietet.

Um 22h kommen wir dann endlich am Motel an, schnell einchecken und anschließend den morgigen Tag diskutieren, denn der Housemeister, der sich so gut wie gar nicht an der Routen-Planung des Trips beteiligt hatte, hat gestern im Internet was vom Antelope Canyon gelesen und will jetzt am morgigen Tag unbedingt dahin.

  Foto: Bye, bye Grand Canyon...

Dicke Luft kündigt sich an, ich bin unsicher wegen des Zeitplans, denn die Etappe über's Monument Valley, den Moki Dugway, Hite bis nach Hanksville ist nicht gerade klein, der andere Rocker stimmt mir zu....am Ende der Diskussion geben wir uns mit knirschenden Zähnen dem zeternden Housemeister geschlagen, da wir keine Lust auf noch knapp 2 Wochen Streit haben (was im Nachhinein auch die richtige Entscheidung war, denn Road Trip und schiefer Haussegen geht gar nicht...).

Als Kompromiss wird zumindest der Wecker für Studenten-Verhältnisse pervers früh gestellt, so dass wir gleich um 8.00h bei der ersten Antelope-Tour mitkommen....ich bin alles andere als sicher, ob das morgen mit der Zeit passt, wo wir uns doch schon heute abend ziemlich verkalkuliert hatten...

Tag 6 - - Reiseroute - - Tag 08



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