US Road Trip Tag 2

Tag 2

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



2. Tag - 30. August 2008

Und die größte Überraschung: Das Fahren in der Millionenmetropole Los Angeles gestaltet sich entspannender als 10 Minuten Straßenverkehr in Trier. Es ist vollkommen harmlos sich durch die mehrspurigen Straßen zu schlängeln...keine nervigen Drängler, keine Raser...alles bewegt sich zivilisiert in einem gleichmäßigen Stop-and-Go-Fluss durch die zweitgrößte Stadt der USA, Spur wechseln ist kein Problem, überall lässt einen jemand rein...nie hätte ich vermutet, dass das Fahrerlebnis das erste große Highlight dieses Trips werden wird, aber es funktioniert absolut genial und sobald man den Kupplungsfuß weit genug links positioniert, kommt der auch nicht auf dumme Gedanken...also auch Automatik fahren ist pure Entspannung, da könnte ich mich glatt dran gewöhnen.

  Die weltbekannte Santa Monica Pier mit Riesenrad, Achterbahn & Co...

Noch bevor es unter die Dusche geht, wird erst mal der Balkon bzw. die Aussicht gemustert. Noch ist es bewölkt, die Temperatur bewegt sich irgendwo zwischen 25°C und 30°C, die Palmen schaukeln auf dem mit Luxusvillen zugepflasterten Hügel gemütlich im Wind...an den Anblick könnte ich mich gewöhnen.......also erst duschen, dann das sehr ordentliche kostenlose Frühstück unseres Hotels in Anspruch nehmen und dann wird es auch für mich Zeit, mich mal hinter's Steuer unseres Nitro's zu schwingen (alle Mitfahrer bitte festhalten! ;-)). Mit leicht erhöhter Herzfrequenz wird der 6-Zylinder langsam angeworfen, dann der Schalthebel auf "D" und schon rollt der bullige SUV gutmütig den Berg hinunter. Ein Stück weiter unten wartet allerdings der amerikanische Großstadtverkehr auf mich. Gemächlich rollen auf der Franklin Avenue protzige Geländewagen vorbei, es sieht aus wie im Film und parallel zu meinen ersten Fahrversuchen bricht nun endlich auch die Sonne durch die auflockernde Wolkendecke durch. Meine Ampel springt auf "grün" und ein vorsichtiger Druck auf's Gas-Pedal setzt unsere Karre in Bewegung....links und rechts (die Amis dürfen auch rechts überholen) ziehen von nun an glitzernde Karossen an mir vorbei...ich bin mittendrin im Straßenverkehr von Hollywood...links von mir der Berg, auf dem das Hollywood-Zeichen steht, rechts der Hollywood Boulevard mit unzähligen Sternen und Fußabdrücken von Weltstars wie Arnold Schwarzenegger, Tom Hanks & Co. Der Wahnsinn!

Der Ocean Walkway am Venice Beach...

Aber genug geschwärmt, heute abend steht ein Konzert der "Metal Masters" an - ein Tourpaket bestehend aus den Bay-Area-Thrashern "Testament", den uralten Haudegen "Motörhead", der inoffiziellen "Black Sabbath"-Nachfahren "Heaven & Hell" sowie der britischen Metal-Legende "Judas Priest" - für das wir noch unsere vorreservierten Tickets in einer Ticketmaster-Filiale abholen müssen. Die erste, die wir uns vorher online rausgesucht hatten, liegt östlich von Hollywood am Santa Monica Boulevard in einer Gegend, die uns nicht so wirklich sicher vorkommt. Dunkle Seitengassen, heruntergekommene Fassaden, viele Obdachlose.....schnell steht fest, dass wir hier nicht unbedingt aus dem Auto rauswollen....folglich geht's Richtung Beverly Hills, denn im Beverly Center werden wir auch fündig, wobei ich zugeben muss, dass wir mit unseren Baggy-Hosen und Band-T-Shirts auch nicht so wirklich in diesen etwas hochpreisigeren Einkaufstempel passen, aber naja...

Kurz darauf haben wir unsere Tickets und weiter geht's zur nächsten Station....Beach! Auf dem Santa Monica Boulevard fahren wir nun Richtung Westen, wo der Pazifik uns wenig später mit prallem Sonnenschein, Palmen und zahlreichen sportlichen Kalifornierinnen begrüßt, die über die großzügig angelegten Fahrradwege per Bike, Inliner oder Skateboards flitzen. Da man wenigstens einmal im Pazifik gestanden haben muss, werden die Schuhe ins Auto gepackt und erstmal Richtung Wasser marschiert...ein schwerer Fehler, denn der Sand ist nach nur wenigen Sonnenstunden dermaßen aufgeheizt, dass wir uns gehörig die Flossen verbrennen. Als nettes Kontrastprogramm wartet arschkaltes (man verzeihe mir den Kraftausdruck, aber das passt gerade am besten) Pazifik-Wasser auf uns, dass mit Temperaturen unterhalb der 20°C-Marke jegliche "Baywatch"-Romantik mit Zähneklappern zerschlägt. Bei frisch verbrannten Füßen ist es aber eine willkommene Abwechslung. Die Santa-Monica-Pier hat sich nicht großartig verändert und ist nach wie vor ein Touristenmagnet mit dementsprechenden Apothekenpreisen. Wer eine Runde auf der höchst unspektakulären Pier-Achterbahn drehen will, sollte genug Scheinchen in der Geldbörse parat haben. Den genauen Eintritt für in den "Pazifik Park" hab ich aber ärgerlicherweise vergessen. ..

  Das "Waterfront Cafe" am Venice Beach

Weiter Richtung Venice Beach...im "Waterfront Cafe" wird erst einmal mehr oder weniger fürstlich diniert. Es gibt eine selbst zusammengestellte Pizza und eine Coke...wobei man das vielleicht nochmal unterstreichen sollte, denn eine amerikanische Coke hat nichts mit den 0,2l-Mini-Drinks aus den deutschen Restaurants zu tun. Hier gibt's gleich einen 1l-Becher und sobald man ein wenig abgetrunken hat, kommt der Kellner gleich mit einem zünftigen Re-Fill...gratis versteht sich...Willkommen im Paradies! Cola gut, Pizza gut, alles gut! Hier gibt's übrigens auch Bitburger Pils, mein Heimatbier quasi (ich ging in Bitburg zur Schule), aber da ich mich begeistert hinter'm SUV-Steuer eingenistet habe, bleibt es für mich heute bei meiner Endlos-Cola. Die Kneipe ist übrigens das beste Export-Objekt der Bitburger Brauerei in ganz Amerika...600 Hektoliter Bitburger werden hier jedes Jahr umgesetzt, von Erdinger sind's sogar noch mehr! Eine Goldgrube für den Schweizer' Skilehrer, der den Laden vor einigen Jahren mietete und nun eine der am besten florierensten Gaststätten an ganz Venice Beach hat (und mittlerweile auch ein ähnlich gut gehendes Objekt am LAX gestartet hat). Und für die Filmfreaks: Hier drehte Clint Eastwood einige Szenen für sein oscar-prämiertes Boxer-Drama "Million Dollar Baby". Hillary Swank's Charakter jobbte im Film genau dort, wo ich jetzt sitze. Nach der Stärkung geht's jetzt erstmal vorbei an den zahlreichen kuriosen Künstlern, die hier am Ocean Walkway alles mögliche an den Mann bringen. Vor allem Barack Obama hat es den Venice-Beachlern angetan...unzählige Artikel rund um demokratischen Präsidentschaftskandidat gibt's hier zu kaufen. John McCain kommt hingegen weniger gut weg...

  Der Ocean Walkway am Venice Beach...

Bei den zahlreichen T-Shirt-Ständen (3 Shirts für 9,99$) werde ich natürlich auf Anhieb schwach. Am Muscle Beach, wo auch Arnold Schwarzenegger in jungen Jahren trainierte, ist heute überraschend wenig los. Nur ein einziger Bodybuilder pumpt heute vor der neugierigen Menschenmasse....wir machen uns wieder auf den Weg zurück zum Auto, denn bis zum Glen Helen Pavillion, wo das Konzert stattfindet im San Bernadino Valley sind's knapp 100 Kilometer zu fahren. Die bevorstehende Fahretappe will unser Atlanta-Mann übernehmen, der noch gar nichts von der doch nicht gerade kleinen Entfernung weiß. Er fährt in dem Glauben los, dass das Konzert in einem Vorort von Los Angeles stattfindet...was ja auch stimmt, nur ist Vorort in dieser Stadt ein dehnbarer Begriff. Warum die schlechte Informationspolitik? Der Gute kann mit zünftiger Rock-Musik nichts anfangen und bevorzugt elektronische Klänge (House, Dance,...), weswegen er bei uns auch Housemeister genannt wird, aber ich schweife ab.....jedenfalls hätten wir das Konzert bei ehrlicher Aufklärung aus ökonomisch sinnvollen Gründen nie durchboxen können. So passt's aber und während die Skyline eine halbe Stunde später zum Greifen nah an uns vorbeizieht, wird mir das ganze Ausmaß der Reise langsam aber sicher bewusst und ich würde das Rückflugticket am liebsten jetzt schon zerreißen.

  Foto: Downtown LA beim Vorbeifahren...

Nach einer Stunde Fahrtzeit blickt der Housemeister zunehmend unruhig auf die Uhr, sagt aber nichts. Nach 75 Minuten sind wir schließlich am Glen Helen Pavillion und außer einem etwas genervten Gesichtsausdruck gibt es keine Anzeichen von Ärger...also locker machen und los in Richtung Konzertgelände. Ärgerlicherweise werden wir erstmal am Eingangsbereich wieder zum Auto geschickt, da wir keine Fotoapparate mitnehmen dürfen. Lediglich derjenige unter uns, der wohl gar keine Fotos gemacht hätte, bekommt seine stylisch flache Kamera, die kaum größer als ein Handy ausfällt, durchgeschmuggelt.

Die Konzertlocation ist traumhaft schön...eine Art überdimensionales Amphittheater in einem schön angelegten grünen Park genau an der Stelle, wo sich die Freeways 15 und 215 in Richtung Las Vegas vereinen. Man hat einen netten Ausblick auf das abendliche San Bernadino, während die Sonne zu dem Motörhead-Klassiker "Ace of Spades" hinter den Bergen verschwindet und uns den zweiten traumhaften Sonnenuntergang präsentiert. Während der gleichmäßige Autostrom sich auf den Freeways Richtung Wüste bewegt, wird es nun Zeit die Pommesgabel aus der Hosentasche zu nehmen und die amerikanischen Rocker aufzumischen. Der Eintritt für das ganze belief sich übrigens auf nur 36$, also ca. 20 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland kostet ein Judas-Priest-Solokonzert zwischen 60 und 70 Euro. Motörhead spielen weitgehenst das gleiche Set wie schon bei "Rock am Ring" mit "Ace of Spades" und dem ungemein drückenden "Overkill" als Abschluss.

Als nächstes auf der Liste entern "Heaven and Hell" die Bühne, die aus den verbleibenden "Black Sabbath"-Mitgliedern und Metal-Opa Ronnie James Dio bestehen und trotz anfänglichem Soundmatsch eine der atmosphärischsten Live-Shows, die ich je gesehen habe, von der Stange brechen. Die Tatsache, dass ich lediglich ein Lied im ganzen Set kenne, und dennoch über große Strecken eine saftige Gänsehaut habe (und das liegt hier in Kalifornien sicher nicht an der Temperatur ;-)), sorgt für noch mehr Pluspunkte. Ein umwerfender Auftritt, der mit der Band-Hymne "Heaven & Hell" endet und spätestens zu dem Zeitpunkt auch die mehreren tausend Zuschauer vollkommen vereinnahmt hat. Was auffällt, ist das das amerikanische Rock-Publikum wesentlich zurückhaltender als die Europäer agiert. Es gibt keine Moshpits, es wird nicht mitgesprungen, meistens bleiben sogar die Hände in den Taschen...da geht's bei europäischen Konzerten schon ein bisschen mehr ab, aber angesichts der beeindruckenden Kulisse lässt sich das durchaus verschmerzen.

  Foto: "Judas Priest" entern die Bühne...

Es wird Zeit für "Judas Priest", die nach Bombast-Orchester-Intro gleich mit einem Track ihres neuen Konzept-Doppelalbums über Nostradamus ins Konzert einsteigen und im Anschluss einen Klassiker nach dem anderen abfeuern. Während Tracks wie "Breaking the Law" selbst den Amerikanern die Hände aus den Hosentaschen ziehen, entwickeln sich die Nummern aus den 90ern zur mittelschweren Katastrophe. Der "Painkiller" verursacht mehr Schmerz, als er killt....Rob Halford, der Mann, der mal ein Stimmvolumen über 8 Oktaven hatte, krächzt sich bei dem Power Metal-Klassiker eine wahrhaft grauenhafte Leistung zusammen, die allenfalls verhaltenen Applaus erntet. Der Zugabenblock hebt die Stimmung dann nochmal merklich, wobei Halford es vor dem "You've got another thing comin'" mit einer fast 7-minütigen Publikums-Animierung nochmal so richtig übertreibt. Nach dem 10. Mal "Heeeeyo!" mitsingen reicht's auch dem angetrunkensten Konzertbesucher und es bleibt von nun an weitgehenst still im Glen Helen Pavillion. Als der gealterte Frontmann fast nur noch Stille auf seine Gesangsübung erntet, kommt der Rest der Band endlich hinter dem Vorhang hervor und startet das bereits erwähnte "You've got another thing comin'"-Finale. Erneut ein Track, der Mr. Halford überraschenderweise zu viel fordert, so dass der 80er-Klassiker gesangs-technisch stellenweise brutal vergewaltigt wird und in der Bridge nochmal mit ausführlichen Mitmach-Aktionen zum 10-Minüter ausgedehnt wird. Das ganze wirkt leider etwas zu gezwungen und die sehr statische Performance der Band kann auch nicht so wirklich überzeugen. Alles wirkt komplett einstudiert, als Zuschauer hat man das Gefühl Teil einer Fließbandproduktion zu sein, auch wenn's nett war, den ein oder anderen Priest-Klassiker mal live zu erleben. Gewinner des Abends aber in jedem Fall: die großartigen "Heaven & Hell"! Wer "Black Sabbath" mochte, wird die Musik dieser Jungs lieben, zumal's ja bis auf Ozzy fast die gleiche Besetzung ist.

Meine Benotung:
  • Testament - Leider verpasst...
  • Motörhead - Note 7
  • Heaven & Hell - Note 9
  • Judas Priest - Note 9

Für uns heißt es jetzt gegen ungefähr 23h aber erstmal: Back to Hollywood!...der nächtliche "Heim"weg wird mit zahlreichen Rock-CDs bestritten (der Housemeister schläft...) und um kurz nach Mitternacht sind wir wieder in unserer Heimat, dem Hollywood Hills Hotel angekommen und mit Band-T-Shirts bepackt fallen wir augenblicklich ins Bett...

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