US Road Trip Tag 17

Tag 17

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



17. Tag - 14. September 2008 - Abschied und Heimreise

  Foto: Das "Waterfront Cafe"...

Der letzte Tag auf amerikanischem Boden begrüßt uns bewölkt und Los Angeles wirkt heute fast so, als sei es selbst traurig. Aufgrund des Wetters gehen wir den Morgen mit dem finalen Packen recht entspannt an, telefonieren nochmal nach hause, frühstücken anschließend und checken schließlich im Kakerlaken-Hotel aus.

Um den Tank noch ein wenig zu leeren, bevor wir unseren Wagen wieder abgeben müssen, beschließen wir nochmal hoch nach Malibu zu fahren, wo das Wetter heute allerdings auch nicht viel besser ist, als vor 2 Tagen, als wir das Strandparadies von San Simeon aus kommend durchquerten. Die Sonne ist spürbar, verharrt aber hinter einer undurchdringlichen Smog-Schicht. Nachdem wir ein wenig auf dem Highway 1 herumgekurvt sind, machen wir Stopp bei einem Einkaufszentrum, da wir noch die letzten Postkarten mit Briefmarken versehen müssen. An der entsprechenden Servicestation im Supermarkt treffen wir auf 3 Mexikaner, deren Englisch ungefähr mit einem 4.-Klässler konkurrieren kann. Demzufolge ist es gar nicht so einfach, dem skurilen Trio klar zu machen was wir wollen.

  Santa Monica Pier von Venice Beach aus....

Als wir es schließlich mit dem Einsatz sämtlicher Gliedmaßen doch geschafft haben, erfahren wir, dass es in dem Laden keine Briefmarken für Luftpost bzw. die Lieferung nach "Germany" gibt. Die Frage, wie viele normale US-Briefmarken wir denn bräuchten, um auf den nötigen Wert zu kommen, entwickelt sich erneut zu einer kommunikativen Minenfelddurchquerung, die fast unmöglich zu bewältigen ist. Am Ende entscheiden wir uns einfach für 20 normale Briefmarken und pappen soviele auf unsere Karten, wie draufpassen. Muss dann reichen...

Zurück zum Dodge, der auf dem Parkplatz, auf dem fast ausschließlich Luxuskarossen (u.a. mehrere Ferraris) verkehren, eine vollkommene Außenseiter-Rolle einnimmt. Wir fahren wieder Richtung Süden, um unseren Road Trip am Venice Beach ausklingen zu lassen. Nachdem wir in der Nähe des Santa Monica Piers den erstbesten Parkplatz angesteuert haben, machen wir uns auf zur Henkersmahlzeit, für die sich auch die Sonne nochmal blicken lässt. Ein letztes mal an der Palmen-gesäumten Strandpromenade entlang laufen, den LAanern beim Inline-Skating und Basketball-Spielen zuschauen, die verrückte Atmosphäre genießen.

  ...und noch einmal aus der Nähe...

Wir kehren wieder im Waterfront Cafe ein und ordern wieder die gleiche gute Pizza wie vor 16 Tagen. Wir bewundern ein letztes Mal den riesigen Cola-Becher, der dank Refill-Angeboten im 10-Minuten-Takt nie leer zu werden scheint, geben dann einen letzten anständigen Tip und machen uns schließlich auf Richtung LAX. Ein letztes Mal Ozzy's "No more tears", schön laut aufgedreht und mit offenen Fenstern...Cruising vom Feinsten, doch so richtig Spaß macht das heute alles nicht, auch wenn die Palmen genauso herrlich ruhig im Wind hin und her wogen wie am ersten Tag. Die Fahrt auf dem San Diego Freeway kommt mir kürzer vor als je zu vor, dann auch schon das erste Alamo-Schild und dann ist die Station auch schon in Sicht.....was für ein grausiger Anblick!

Der Kloß im Hals wird immer größer, wir räumen im Eilverfahren unser gesamtes Gepäck aus unserem fahrbaren Untersatz, der uns 5000 km lang zuverlässig und komfortabel begleitet hat, machen ein Abschiedsfoto und klopfen ihm dankend auf die Motorhaube....und schon wird er von einem fleißigen Alamo-Mitarbeiter weggefahren.....hinter einer Häuserecke verschwindet er....unser Auto....weg, als wäre es nie da gewesen.....und jetzt auch noch Bus fahren...was für ein Rückschritt...

Der Bus zum LAX kommt wenig später an, wir werden mit Touristen aller Art reingestopft, die Gepäckstücke in die verrosteten Ablagefächer gequetscht und die Fahrt kann losgehen. Die Fenster sind stark verdreckt, die verschwommenen Palmenalleen kann man nur noch erahnen, die Sonne verkommt zur diffusen, dämmrigen Lichtquelle, die Stimmung nähert sich dem Tiefpunkt. Vor dem International Terminal spuckt der Bus uns aus, wir schleppen uns schonmal zum Lufthansa-Schalter, wo wir unser Gepäck aufgeben, um anschließend mit dem Housemeister, der 3 Stunden später als wir die Heimreise nach Atlanta und von dort dann nach hause antreten wird, noch im McDonalds eine letzte Cola zu trinken. Wir lassen uns an einer Panorama-Glasscheibe nieder, schauen dem geschäftigen Treiben auf dem Rollfeld zu und wissen alle nicht so wirklich was zu reden.

  Abschiedsfoto mit unserem Dodge Nitro

Jeder kämpft auf seine Weise mit dem Abschied und die Unlust den Wilden Westen zu verlassen ist uns allen ins Gesicht geschrieben. Bevor wir einchecken, verlasse ich die Jungs nochmal, um ein letztes Mal vor die Tür zu gehen. Ich bleibe neben einer Palme stehen, blicke in die langsam untergehende Sonne und koste jeden Atemzug der anfangs erwähnten seltsamen US-Luft aus, die so anders riecht, als alles, was man in Europa unter die Nase bekommt. Die tonnenschweren SUVs und Pickups rollen gutmütig an mir vorbei als wäre es ein Tag wie jeder andere, die Palmen strahlen ein letztes Mal in der Abendsonne und mit einem letzten tiefen Atemzug klopfe ich auf den rauen Stamm meiner Palme und flüstere mit zitternder Stimme ein "I'll be back!"....wie schon so ähnlich vor drei Jahren.

Der Abschied fällt auch heute nicht leicht, aber die vergangenen 2 ½ Wochen haben gezeigt, dass ein solcher Trip mit ein paar Monaten an Ferienjobs durchaus im Rahmen des Möglichen liegt, auch für Studenten.

  Airport in Los Angeles

Ich laufe anschließend wieder zu meinen Reise-Kollegen, verabschiede den Housemeister und checke schließlich mit dem Rocker-Kumpel ein. Wir laufen zum Gate, warten wieder eine ganze Zeit und dürfen schließlich in den Lufthansa Airbus A340 einsteigen. Von nun an geht alles ganz schnell, die Passagiere setzen sich, Sicherheitsanweisungen, die Fahrt zur Startbahn.....draußen ist es mittlerweile dunkel.

Wie üblich kralle ich mich an meinen Armlehnen fest, als die Piloten den vollen Schub aktivieren, wie immer versuche ich jedes Geräusch, jeden Ruckler zu identifizieren, schaue mich unruhig in der Kabine um und hoffe, dass alles gut geht. Und dann...beim leicht ruppigen Abheben donnert plötzlich ein ohrenbetäubender Knall durch die Kabine, der alle Passagiere beunruhigt zusammen zucken lässt...

Es ist nur der Bruchteil einer Sekunde aber in dem Moment ist da nur ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit....genialer Road Trip, unglaublich viel gesehen, durch meine Traumstadt gecruist, die neue Metallica-Platte gehört...ich denke nur "Wenn's jetzt passiert, ist's okay. Super-Jahr, Super-Urlaub, Super-Album...!". Zum ersten Mal in meinem Leben denke und vor allem fühle ich sowas....dass spricht für den Urlaub.......und für's Album natürlich ;-)

  Über den Wolken...
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Nun, wenn wir abgestürzt wären, würdet ihr diesen Bericht nicht lesen. Der Einrastmechanismus vom Fahrwerk der Maschine, dass sich direkt unter unseren Sitzplätzen befand, war wohl etwas eingerostet und veranstaltete den gleichen Krach auch wieder bei der Landung. Dazwischen gab's für Lufthansa-Verhältnisse wirklich schwaches Essen (war auf dem United-Hinflug um Welten besser), den Film "Love Vegas", der trotz 08/15-Story ganz unterhaltsam war und schließlich wurde ich von einem exklusiven Rihanna-Konzertmitschnitt im Lufthansa-Entertaiment-System (sehr nett mit großer Auswahl an Filmen / Konzerten / Dokumentationen) in den Schlaf gesungen. Kurz vor München war ich dann wieder wach, als der Flugkapitän den Passagieren die Außentemperaturen am Ziel mitteilte...7°C....ein Raunen ging durch die Maschine und der Rocker-Kumpel mit kurzer Hose und T-Shirt ahnte Böses...

Nach der Landung mit Knall dann raus, kurzer Aufenthalt im Flughafen und im strömenden Regen weiter in eine klapprige Propellermaschine in Richtung Luxemburg, die auch noch in Saarbrücken zwischenlandete. Als wir nach einem recht holprigen Flug schließlich in Luxemburg ankamen, machten wir erstmal drei Kreuze... ....und damit war der große Ausflug in den Wilden Westen schließlich vorbei. Draußen roch's nach Deutschland, die Autos waren wieder langweilig, es regnete, die Sonne gab's nur alle paar Wochen mal zu sehen, die Softdrinks wurden im Modelleisenbahnmaßstab serviert und alle sprachen wieder mit mürrischen Gesichtern diese abgehackte, kantige Sprache mit Auslautverhärtung und allem drum und dran. Mein alter Herr, der uns abholte, hatte den Metallica-Track "Unforgiven III" laufen, selbst der klang hier nicht mehr so schön wie drüben....

Been afraid
Always afraid
Of the things he's feeling
He could just be gone

He would just sail on
He would just sail on

How can I be lost?
If I've got nowhere to go?
Searched the seas of gold
How come it's got so cold?
How can I be lost
In remembrance I relive
How can I blame you
When it's me I can't forgive?


Textauszug aus dem Song: "Unforgiven III" von "Metallica"

Tag 16 - - Reiseroute - - Reisekosten



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