US Road Trip Tag 9

Tag 9

USA Reiseberichte

Hannibals US Road Trip - Mietwagenrundreise durch den Westen der USA



9. Tag - 06. September 2008

  Aussicht vom "Zion Overlook" am Hwy 14

Heute geht"s ohne jegliches Frühstück wieder recht früh auf die endlosen Wüstenstraßen, nachdem wir uns in Hanksville noch mit ein wenig Proviant eingedeckt haben. Erstes Etappenziel ist der Capitol Reef National Park, welcher nach all den Panoramen der letzten Tage fast schon unspektakulär wirkt. Auch hier führt der Highway 24 durch gigantische Schluchten, die man aber mittlerweile letztendlich schon alle eine Nummer größer gesehen hat.

Nach einem kurzen Stopp im Visitor Center fahren wir dennoch noch weiter in den Park rein und folgen der Empfehlung unseres eher selten konsultierten Reiseführers über den mäßig spektakulären Scenic Drive Richtung Capitol George. Dorthin geht"s hinter einer Kreuzung allerdings nur noch über eine schön holprige Gravel Road, aber das sind wir ja mittlerweile gewöhnt. Die Strecke selbst wird nun mit jedem Meter spektakulärer und erinnert teilweise an unsere erste Einfahrt ins Colorado Plateau, als wir von Vegas kamen. Links und rechts türmen sich gewaltige Felswände und die Schotterpiste schlängelt sich durch das bedrohliche Schluchenlabyrinth.

  Visitor Center im Capitol Reef NP

Am Ende der Straße kommen wir auf einem nett angelegten Parkplatz an, wo gerade eine Horde Holländer oben ohne um ihr Auto herum steht und penetrant hämmerndem Techno-Lärm lauscht, der im ganzen Canyon nachhallt. Kopfschüttelnd passieren wir - mittlerweile zu Fuß unterwegs - die skurile Szene, dem mit seinem Kopf wippenden Housemeister scheint"s zu gefallen.

Der unbefestigte Weg führt in eine immer enger werdende Schlucht hinein, in der sich ein Echo-Feuerwerk sondergleichen veranstalten lässt.
Da die Uhr mal wieder tickt, halten wir uns nicht allzulange auf und machen uns langsam aber sicher wieder auf den Rückweg.

  Foto: Im Capitol Reef National Park...

Beim Verlassen des Capitol Reef National Parks fällt uns auf, dass hier gar nicht kontrolliert wurde, ob man einen NP-Pass dabei hatte.

Auf der weiteren Strecke Richtung Torrey folgen noch einige Aussichtspunkte, von denen vor allem der "Goosenecks"-Punkt sehr reizvoll ist. Der hat nichts mit dem Goosenecks-State Park zu tun, zeigt aber ungefähr das gleiche Szenario. Zwar nicht ganz so groß, aber dennoch einen Abstecher wert.

Zu dem Aussichtspunkt führt übrigens mal wieder eine Gravel Road, auf der unser heutiger Fahrer (der Housemeister, wer sonst? ;-)) auf die Idee kommt in einer Kurve einen kleinen Drift hinzulegen. So schlittern wir in bester "The Fast and the Furious"-Manier an der Abbruchkante eines schätzungsweise 200m tiefen Canyon vorbei. Der Rocker-Kumpel ist angesichts des riskanten Fahrmanövers auf der Rückbank am toben, der Housemeister entgegnet nur grinsend, er hätte alles unter Kontrolle gehabt. Wir legen dennoch fest: In Zukunft keine Drifts mehr, dass kann er abends am Notebook bei "Need for Speed" machen ;-)

  Blick auf die Goosenecks im Capitol Reef

Im herrlich herausgeputzten Torrey, welches wie eine grüne Oase inmitten von Canyons und Tafelbergen leuchtet, machen wir erst mal Zwischenstopp und investieren ca. 6 Dollar in ein zünftiges Subway-Sandwich. In Deutschland bezahlt man für so ein Teil 7 Euro (wobei es zur Zeit aufgrund einer Sonderaktion günstiger ist)...ein netter Unterschied.

Dann schnell weiter, denn wir wollen noch vor Sonnenuntergang am Bryce Canyon National Park sein. Auf dem Highway 12 geht"s Richtung Süden und die Landschaft beginnt erneut regelrechte Kapriolen zu schlagen. Aus der Wüste fahren wir hinauf in eine bewaldete Hochebene, die mit zahlreichen Aussichtspunkten ausgestattet ist. Dort entfalten sich völlig neue Ausblicke, die verträumte See- und Waldlandschaften im Vordergrund und die rot leuchtende Wüste im Hintergrund präsentieren.

  Es werde grün: irgendwo bei Torrey...

Der Highway führt uns auf eine Höhe von 3000 Metern, was hier übrigens keine Seltenheit seit. Das gesamte Colorado Plateau liegt in der Regel ein gutes Stück über 1500 Metern, der Grand Canyon North Rim war beispielsweise auf einer Höhe von etwa 2500 Meter über dem Meeresspiegel. Die Höhenverhältnisse sind auch der Grund dafür, dass hier im Winter die rote Wüstenlandschaft unter dicken Schneedecken verschwindet und dann nochmal eine ganz andere Faszination entfaltet.

Wir bleiben da dennoch lieber bei den momentanen Temperaturen über 30°C und dem immer blauen Himmel, den kein Wölkchen trüben kann. Nachdem wir die Maximalhöhe passiert haben, geht"s wieder langsam abwärts und auch das Landschaftsbild ändert sich langsam wieder. Der Wald-Bewuchs geht zurück und die felsigen Wüstenlandschaften halten wieder Einzug.

  Richtung Bryce Canyon National Park...

Hinter Boulder (Utah) schlängelt sich der Highway auf einem schmalen Bergkamm entlang, welcher links und rechts in zwei gewaltige Canyons abdriftet. Der Housemeister klagt mittlerweile über Ermüdungserscheinungen, so dass wir an dieser Stelle lieber einen Fahrerwechsel vornehmen. Wer nämlich hier oben mit Sekundenschlaf zu kämpfen hat, unternimmt schnell eine gewaltige Flugstunde...

Der Abschnitt auf besagtem Bergkamm ist derart beeindruckend, dass wir an beinahe jedem Aussichtspunkt Halt machen und unzählige Fotos schießen. Unter uns entfaltet sich wieder ein völlig anderes Canyon-Gewirr als das, welches wir in Arizona gesehen hatten. Rund abgeschliffene Riesenkolosse beschränken die Schluchten, schmale Flussläufe - wenn sie denn nicht gerade ausgetrocknet sind - schlängeln sich durch die gewaltige Kulisse und wir stehen auf dem Bergkamm und können das nicht enden wollende Panorama majestätisch überblicken.

  Canyons soweit das Auge reicht ...

Nachdem die Speicherkarten fast leer geschossen gehen, müssen wir uns doch langsam wieder loseisen. Der Highway gräbt sich nun immer weiter in die Gesteinsschichten und bewegt sich immer weiter ins Tal hinein, während sich links und rechts wieder die roten Felskolosse auftürmen. Der Bryce Canyon National Park Die Sonne setzt ihren Weg Richtung Horizont unermüdlich fort und wir treffen schließlich am Bryce Canyon National Park ein. Nachdem wir uns am Visitor Center kurz informieren und uns einen Überblick über die Shuttle-Situation verschafft haben, setzen wir uns wieder ins Auto und fahren Richtung Sunset-Point. Alternativ wird hier ein Shuttle-Service wie im Zion National Park angeboten, der die vollkommen überlasteten Parkplätze entlasten soll.

Auf Bildern empfand ich den Bryce Canyon immer als eher unspektakulär, es sah immer alles recht kompakt aus, von daher war ich mir nicht wirklich sicher, was ich von dem Meer aus den sog. Hoodoos (durch Erosion entstandene Gesteinssäulen) halten würde.

  Foto: Der Bryce Canyon...

Mit einem klassischen Canyon, also einer Schlucht, welche durch einen Fluss gebildet wurde, hat der Bryce Canyon auch wenig zu tun. Stattdessen bildet das Naturwunder ein natürliches Amphittheater, welches auf einer Länge von 30 Kilometern steil 240 Meter abfällt und unzählige durch Wind, Wasser & Eis entstandene Steinnadeln beherbergt, welche aus der abfallenden Felswand herausragen.

Als wir schließlich am Parkplatz angekommen sind und in Richtung Aussichtspunkt loslaufen, fallen unsere Unterkiefer aber mal wieder im Rekordtempo Richtung Wüstenboden. Der Bryce Canyon ist - so erfahre ich hier- wohl der National Park mit der größten Weitsicht. "Kompakt" wäre wohl das letzte Wort, um diese Aussicht zu beschreiben.

Wir halten uns nicht lange auf und machen uns schnellstmöglich auf den Weg zum Moki Dugway. Wer den "Chill Faktor"

Das natürliche Amphittheater des Bryce Canyon, in dem sich abertausende von besagten Hoodoos befinden leuchtet im Vordergrund, während sich im Hintergrund ein Tafelberg nach dem anderen auftürmt und kein Ende in Sicht scheint. Eine Aussicht, die in jeder Hinsicht den Atem raubt!

Da bis zum Sonnenuntergang noch ein wenig Zeit bleibt, beschließen wir noch ein paar Meter auf dem Navajo Trail in den Canyon hineinzuwandern. Der Weg führt in sagenhaften Serpentinen immer weiter in das Labyrinth aus den Hoodoos hinein, die von unten viel größer sind, als sie von den gigantischen Aussichtspunkten aussehen. Die Säulen bringen es auf eine Höhe von bis zu 60 Metern.

  Foto: Sunset im Bryce Canyon...

m so weiter wir nach unten wandern, um so verlorener kommen wir uns vor, so ähnlich muss sich Alice im Wunderland gefühlt haben. Wieder verschwimmt die Zeit und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, hinter jeder Wegbiegung eine neue Ansicht, diesmal nicht gigantisch, sondern faszinierend beengt und sobald man nach oben schaut, sieht man nur noch ein kleines Stück Himmel zwischen all den sich auftürmenden Felsnadeln.

In der Nacht kann man sich hier vermutlich hoffnungslos verlaufen, weswegen wir nach einer knappen halben Stunde auch wieder den Rückweg antreten, denn schlafen wollen wir trotz all der überwältigenden Naturschönheiten lieber im Hotel als mitten im Bryce Canyon.

Pünktlich zum Sonnenuntergang befinden wir uns wieder auf der Aussichtsplattform, nachdem wir festgestellt haben, dass der Rückweg nach oben um ein vielfaches anstrengender ist, als der Abstieg in den Canyon.

  Aussicht vom "Zion Overlook" am Highway 14

Der Feuerball versinkt im Wald hinter uns und taucht das Meer aus Hoodoos und das dahinterliegende Panorama noch einmal in ein gigantisches Farbenmeer, dass einem die Tränen aus den Tränensäcken treibt.

Wir schlendern zurück zum Auto und machen uns auf den Weg nach Panguitch, wo wir das "Marianna Inn" vorgebucht haben. Auf der Fahrt setzt der Housemeister durch, dass die Metallica-CD jetzt nochmal ausgemacht wird und prompt läuft im US-Radio die "Bohemian Rhapsody" von Queen, die auf der Fahrt in den Sonnenuntergang dann nochmal ordentlich aufgedreht und mitgegröhlt wird...

Das "Marianna Inn" entpuppt sich als schlechtestes Motel der ganzen Reise, ein wirklich extrem heruntergekommener Laden, stickige Zimmer mit sehr niedriger Decke, vergammeltes Badezimmer....naja, für eine Nacht wird"s passen.

Wir lassen den Abend in einer von Indianern geführten Pizzeria am Ortseingang ausklingen, die ungefähr so gemütlich ist wie ein Dinner nachts auf der Zugspitze bei Orkanwindstärke...immerhin schmeckt die Cola...;-)

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