Tag 11

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Tag 11

Holgers Reisebericht - Fünf Thüringer auf großer Tour



11. Tag, Montag / Needles - Seligman - Holgers Feinplanung für Tag 11

Und wer hätte es gedacht - der Tag beginnt sonnig und... sehr warm. Heute haben wir "nur" 250km vor uns, doch diese haben es in sich, denn heute werden wir sie befahren, die "Mother-Road", die Route 66. Dazu haben wir unterwegs noch eine ganz besondere Verabredung - die habe ich lange im Voraus geplant, mit der Hoffnung, dass es auch genau so klappen möge. Aber warten wir es ab.

Damit wir auch pünktlich sind, starten wir etwas früher und da es im "Rio del Sol" eh kein Frühstück gibt, begnügen wir uns mit Kaffee und Sandwich auf dem Zimmer - dann heißt es "66, wir kommen". Nach der Überquerung des Colorado River sind wir in Arizona (die Uhren brauchen wir aber nicht umzustellen, denn auch wenn die Zeitzone wechselt, gleicht sich das mit Sommer- bzw. Winterzeit wieder aus) und stehen kurz nach Golden Shores vor einem riesigen Schild: "Road Closed".

Und nun? Doch noch bevor sich Ratlosigkeit breit machen kann, hält auch schon ein Auto neben uns an. Ein Amerikaner ist uns nachgefahren, denn er ahnte wohl schon unser Vorhaben. Freundlich erklärt er uns den Grund - eine "Flash Flood" habe weiter oben die Straße weggespült - und dann beginnt er auch schon, uns die Umleitung zu beschreiben. Man kann ja von den Amerikanern halten, was man will - freundlich und zuvorkommend sind sie in jedem Fall. Wer wäre daheim schon einem Ortsfremden extra nachgefahren...

Mehr als dankbar verabschieden wir uns und nehmen die Straße nach Mohave Valley unter die Räder. Nach dem eigentlich kleinen Umweg ist es dann soweit: kurz vor Oatman berühren wir den weltberühmten und von manchen so begehrten Asphalt - wir rollen auf der Route 66.



Oatman


Oatman ist dann auch gleich unser erster Haltepunkt und kaum ausgestiegen, werden wir sofort begrüßt. Aber nicht von irgendwem, sondern es sind mehr als neugierige Esel, die den Kopf bis in unser Auto stecken. Erst später werden wir erfahren, dass sie die wilden Nachkommen der einstigen Goldgräber-Lastesel sind.



der Esel von Oatman (also der in der Bildmitte...)


Wir schauen uns eine Weile um, genießen bei strahlender Sonne das Flair dieser einstigen Goldgräberstadt in den Black Mountains, die jedes Jahr eine halbe Million Touri´s wie uns anzieht und freuen uns einfach, hier zu sein.



Route 66


So ging es wohl einst auch Clark Gable, der hier mit Carol Lombard sogar den Honeymoon verbrachte. Von den Postkutschenüberfall-Spektakeln sehen wir allerdings nichts, wahrscheinlich ist es für die Straßenshows noch zu früh am Tage. Macht aber nichts, knallen wird es heute hoffentlich noch ganz anders und deshalb machen wir uns auch bald wieder "auf Achse". Wir reißen uns los von der puren Nostalgie des alten Oatman und nehmen die ebenso alte Straße unter die Räder.

Ja, sie ist alt und schmal, die Route 66 und es ist nur schwer vorstellbar, dass hier einmal reger Verkehr herrschte. Unzählige Male ausgebessert - die Teerlinien überziehen sie wie ein Spinnennetz - führt uns die Straße immer höher in die Black Mountains und die kurvenreiche Fahrt durch die herrliche Hügellandschaft bestätigt nur die vorher gelesene Meinung, dass dieser Abschnitt zu den sehenswertesten gehört.

Kurz vor dem Sitgreaves Pass (1.082m) mit seiner grandiosen Aussicht wird es plötzlich ganz still im Auto und wir stellen fest, dass wir einfach nur ergriffen sind, ja beinahe andächtig. Aber wundert das, bei einer solchen Tour?



Sitgreaves Pass


Wenig später erreichen wir Cool Springs, ein Örtchen mitten im Nirgendwo und bevor jemand auch nur "Anhalten" sagen kann, biege ich auch schon auf den Parkplatz ab. Wo sonst sollten wir unser Route 66-Souvenir kaufen, wenn nicht hier. Also rein in die alte Tankstelle und Schauen, Schauen, Schauen... und finden tun wir alle etwas.



Route 66


Doch dann müssen wir weiter, denn als Nächstes steht unsere Verabredung auf dem Plan und da wollen wir nicht unpünktlich sein. Kurz vor Kingman erreichen wir den "Mohave Sportsman Club" und unsere Spannung ist auf dem Höhepunkt angelangt. Jetzt wird sich entscheiden, ob mein Mailkontakt mit Range Officer Ed erfolgreich war, den ich während der Planung unserer Reise mit ihm begonnen hatte (wir im "wilden Westen", da wünschten wir uns natürlich auch das gewisse Etwas).



Cool Springs


In seiner letzten Nachricht schrieb Ed mir noch, er arbeite zwar nicht mehr hier, aber wir sollten trotzdem vorbei kommen. Nun, und jetzt sind wir hier. Aufgeregt betreten wir das Office und - alle etwaige Unsicherheit löst sich in Wohlgefallen auf: Ed ist da und er freut sich auf "seine German Tourists". Deutsche Touristen, denen er sehr gern ihren Wunsch erfüllen möchte - mit der "Winchester" schießen wie echte Cowboys.



Cool Springs


Die schriftlichen Formalitäten sind schnell erledigt, dann geht es hinaus auf die 25m-Bahn. Sicherheit wird natürlich groß geschrieben und so bekommen wir nicht nur unsere Brillen und Ohrstöpsel, Ed erklärt uns auch verständlich alles Wichtige. Überhaupt, meine anfänglichen Bedenken, was die Verständigung betreffen würde, sind gänzlich ungegründet - auch wenn es hier und da vielleicht etwas holprig anmutet, so verstehen wir uns doch alle sehr gut.

Und dann lassen wir es krachen, mit .357mag und John Wayne-Feeling pur. Unsere Lady´s amüsieren sich köstlich über ihre "Cowboys" und nehmen es uns auch gar nicht mehr krumm, dass der vorher erwähnte Schuhladen wieder mal nicht auffindbar ist... wo soll der auch sein, hier mitten in der Wüste, zwinker. Was es aber hier gibt, das sind Klapperschlangen - die Warnschilder machen es uns eindringlich bewusst.

Eine Stunde und geschätzte 100 Schuß später legen wir das rauchende Gewehr nieder und sind um eine Erfahrung reicher: getroffen wie im Film haben wir nur annähernd, aber Spaß gemacht hat es uns in jedem Fall. Oja, sehr großen Spaß und wir wären auch gerne noch länger geblieben, wenn es die Zeit erlauben würde. So fragen wir Ed, was wir ihm schuldig sind, doch unser Ansinnen lehnt er beinahe schon entrüstet ab. Nur die Platzgebühr, sonst gar nichts. Nein, auch nicht wegen der Munition, er wolle nichts haben. Wir hatten unsere Freude und das sei ihm vollkommen genug. Und deshalb auch an dieser Stelle nochmals ein ganz herzlicher Dank an Ed und den "Mohave Sportman Club" für dieses wunderbare Erlebnis.



Auf der Shooting Range des "Mohave Sportsman Club" nahe Kingman, AZ.


Nach einer herzlichen Verabschiedung heißt unsere nächste Station Kingman, wo wir das Powerhouse, in dem das "Route 66 Museum" beheimatet ist, besuchen. Mit zahlreichen Originalen aus ihrer Blütezeit wird hier die Geschichte der "Mother-Road", die durch 8 Bundesstaaten von Chicago und den Great Lakes nach Los Angeles führte, dokumentiert. Nach einem Rundgang um die imposante Steam-Engine von 1928, die gleich gegenüber steht, gehen wir im Diner nebenan noch einen Happen (sprich Burger) essen. Auch unser "Chevy" bekommt seine Stärkung, diesmal aus gegebenem Anlass für 66 $, dann cruisen wir weiter.



Route 66 / Kingman - Dampflok der "Santa Fe Railways"


Immer wieder begegnen wir zahlreichen "Harley"-Bikern, aber auch wir genießen bei strahlendem Sonnenschein jede Meile - bis uns der Hackberry General Store stoppen lässt.



Route 66 / Hackberry General Store


Hier gibt es, wie überall in den kleinen Orten entlang der Strecke, die vielen nostalgischen Erinnerungsstücke zu sehen, aber was diesen alten Tankstellen-Store so besonders interessant macht, ist die Leidenschaft von John, dem Besitzer.



Route 66 / Hackberry General Store


Er sammelt Oldtimer und von diesen gibt es hier wahrlich genug zu sehen, bis hin zum komplett restaurierten "Ford Modell T". Ach, an jeder Ecke gibt es was Neues zu sehen, drinnen wie draußen und man müsste einfach viel mehr Zeit haben.



Route 66 / Hackberry General Store


Etwa eine halbe Stunde bleiben wir, dann geht es weiter, denn auch Seligman will von uns noch entdeckt werden. Wir erreichen es kurz nach 15.00 Uhr und checken im Motel direkt an der 66 ein.



Route 66 / Hackberry General Store


Bis in den Abend hinein schlendern wir noch die Straße entlang - schauen, fotographieren, kaufen... Und hinterlassen bei "Angel&Vilma´s" einen signierten 10-Euro-Schein über dem Tresen - nun haben auch wir uns eingereiht in die vielerorts gesehene Sitte, Nummernschilder und Geldscheine zurückzulassen. Jetzt sind auch wir Thüringer hier verewigt, nicht weit entfernt von einem alten DDR-20er.



Seligman - The Birthplace of Route 66


Seligman, so hatte ich mal gelesen, diente als Inspiration für den Film "Cars" und so wie im Film der verlassene Ort wieder zum Leben erweckt wurde, so ist es dem einheimischen Friseur Angel Delgadillo und einigen weiteren Anwohnern zu danken, dass sie mit ihrer 1987 gegründeten "Route 66 Association" die vielen kleinen Ortschaften entlang der 66 aus der Vergessenheit zurückholten - mit dem Ergebnis, dass überall Relikte und Erinnerungen an die große Zeit der "Mother-Road" zu entdecken sind. Und auch Seligman ist natürlich voll davon...



Seligman - The Birthplace of Route 66


Den Tag beschließen wir zunächst im "Road Kill Cafe", wo wir in rustikalem Ambiente das bisher beste Steak genießen. Anschließend sitzen wir noch eine Weile vor den Motelzimmern, fast auf dem Bürgersteig direkt an der Route 66, lassen einfach die Atmosphäre von Ort und Zeit auf uns wirken und finden, dass es nichts Schöneres geben kann.



Seligman - The Birthplace of Route 66


Needles - Oatman - Cool Springs - Shooting Range - Kingman - Hackberry - Seligman 274km - 170 Meilen - 8,5 Stunden (incl. Aufenthalte, z.B. Shooting 1 Stunde, Kingman ca. 2 Stunden)

Übernachtung: "Supai Motel" (direkt an der Route 66)

5. Re-Fill - 19,5 Gallonen - 74 Liter ( Preis 66 $ )
Shooting-Gebühr - 10 $)
Eintritt Route 66 Museum - 4 $)
Road Kill Cafe (Steak & Getränke) - 25 $

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